Kundengewinnung

Teil von Wie kann ich Kunden langfristig binden und Folgeaufträge sichern?

Kundenbindung mit der Checkliste für den Aufbau eines Treueprogramms

Treueprogramm Checkliste: Zielsetzung, Zielgruppen, Prämienmodell, DSGVO und UWG sowie Erfolgsmessung für Ihr Kundenbindungsprogramm im Handel.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Treueprogramm beginnt mit einem messbaren Ziel, nicht mit der Softwareauswahl.
  • Zielgruppen, Prämienmodell, Recht und Erfolgsmessung werden in dieser Reihenfolge geprüft.
  • Telefon- und E-Mail-Werbung braucht nach Paragraf 7 UWG eine Einwilligung oder eine gesetzliche Ausnahme.
  • Kosten je aktivem Mitglied und Wiederkaufrate entscheiden über Fortsetzung oder Abbruch.

Die Checkliste in fünf Schritten

Arbeiten Sie die fünf Punkte in dieser Reihenfolge ab. Jeder Punkt bekommt eine verantwortliche Person und ein Datum.

  1. Ziel und Kennzahl festlegen, mit Ausgangswert und Zielwert.
  2. Zielgruppen bestimmen und das belohnte Verhalten beschreiben.
  3. Prämienmodell wählen und den Gegenwert je Punkt kalkulieren.
  4. Rechtlichen Rahmen prüfen: Einwilligung, Teilnahmebedingungen, Datenschutz.
  5. Erfolgsmessung und Abbruchkriterien vor dem Start festlegen.

Zielsetzung und Zielgruppen

Ein Treueprogramm ohne Zielvorgabe wird zum Rabattautomaten. Legen Sie vor dem Start fest, ob Sie Wiederkäufe erhöhen, den Warenkorb vergrößern oder Abwanderung senken wollen. Formulieren Sie daraus eine Kennzahl, etwa die Wiederkaufrate innerhalb von 90 Tagen.

Bei den Zielgruppen unterscheiden Sie Stammkunden, Gelegenheitskäufer und Neukunden. Für jede Gruppe legen Sie fest, welches Verhalten belohnt wird. Ein Vielfachkäufer reagiert auf Punkte anders als jemand, der zweimal im Jahr bestellt.

Für das Prämienmodell stehen Punkte, Stufen mit wachsenden Vorteilen, Guthaben und reine Servicevorteile zur Wahl. Servicevorteile wie ein reserviertes Rückgaberecht belasten die Marge weniger als Preisnachlässe. Prüfen Sie vor der Entscheidung, welchen Gegenwert Ihre Zielgruppe tatsächlich wahrnimmt.

Beispielrechnung für ein Punktemodell

Beispielrechnung: Ein Punkt je vollem Euro Umsatz, ein Punkt entspricht einem Cent Gegenwert. Eine Kundin kauft für 80 Euro und sammelt 80 Punkte, also 0,80 Euro. Bei 10.000 Mitgliedern und 500.000 gesammelten Punkten im Jahr entsteht ein Gegenwert von 5.000 Euro, sofern alle Punkte eingelöst werden.

Setzen Sie die erwartete Einlösequote und die Kosten für Software und Personal daneben. Die Preisliste von LoyaltyLion zeigt, mit welchen laufenden Kosten kommerzielle Anbieter rechnen. Rechnen Sie zusätzlich Aufwand für Prämienversand, Support und Reporting ein.

Rechtlicher Rahmen: DSGVO und UWG

Vor der ersten Anmeldung brauchen Sie eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der Kundendaten. In der Regel ist das die Einwilligung oder der Vertrag über die Teilnahme. Halten Sie Zweck, Speicherdauer und Löschfristen in der Datenschutzerklärung fest. Eine erteilte Einwilligung muss widerrufbar sein.

Für die Werbung gilt das UWG. Nach Paragraf 7 UWG ist Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ohne vorherige Einwilligung unzumutbar, ebenso E-Mail-Werbung ohne Einwilligung. Eine Ausnahme besteht für Bestandskunden, wenn die Adresse beim Kauf erhoben wurde und ein Widerspruch möglich bleibt.

Auch die Bedingungen des Programms selbst sind Werbung. Irreführende Angaben zu Prämien, Laufzeiten oder Verfügbarkeit können nach Paragraf 4 UWG unlauter sein. Formulieren Sie Teilnahmebedingungen mit Laufzeit, Kündigung, Verfall von Punkten und Ausschluss bei Missbrauch.

Daten, Technik und Start

Prüfen Sie vor der Anmeldung, ob Kassensystem, Shop und CRM die Mitgliedsnummer durchgängig führen. Ohne eine eindeutige Kennung lassen sich Umsätze nicht zuordnen, und die Erfolgsmessung scheitert. Planen Sie eine Testphase mit wenigen Filialen oder einem Kanal.

Informieren Sie die Zielgruppe über Nutzen und Regeln, bevor die erste Prämie vergeben wird. Eine kurze Anleitung an der Kasse oder im Bestellabschluss senkt die Hürde für die Anmeldung. Benennen Sie eine Ansprechperson für Rückfragen und Beschwerden.

Erfolgsmessung und Abbruchkriterien

Messen Sie ab dem ersten Tag, sonst fehlt die Vergleichsbasis für jede Entscheidung.

  • Anmeldequote je Kanal
  • Anteil der aktiven Mitglieder
  • Einlösequote der Punkte
  • Wiederkaufrate der Mitglieder
  • Umsatz und Marge je Mitglied

Stellen Sie diesen Zahlen die Kosten gegenüber und berichten Sie im Monatsrhythmus an Vertrieb und Geschäftsführung. Legen Sie vor dem Start fest, wann Sie abbrechen. Sinnvolle Marken sind eine Wiederkaufrate unter dem Ausgangswert nach zwölf Monaten oder Kosten je Mitglied, die den Deckungsbeitrag übersteigen.

Häufige Fragen

Braucht ein Treueprogramm eine Einwilligung zur Datenverarbeitung?

Ja, in der Regel. Ohne Einwilligung oder vertragliche Grundlage dürfen Sie Kundendaten nicht für ein Bonuskonto verarbeiten. Die Einwilligung muss verständlich, freiwillig und widerrufbar sein.

Wie hoch sollte der Gegenwert einer Prämie sein?

Der Gegenwert sollte unter der Marge des Zusatzgeschäfts liegen, das er auslöst. Rechnen Sie die erwartete Einlösequote ein und legen Sie den Wert vor dem Start fest.

Wann darf ich Mitglieder per E-Mail anschreiben?

Ohne Einwilligung nur bei Bestandskunden aus einem Kauf, wenn Sie auf Widerspruchsmöglichkeiten hinweisen. Für Newsletter und Gewinnspiele holen Sie die Einwilligung getrennt ein.

Nach welcher Zeit lohnt die Erfolgsprüfung?

Eine Zwischenprüfung nach sechs Monaten zeigt, ob die Anmeldungen laufen. Über die Fortsetzung entscheiden Sie nach zwölf Monaten anhand von Wiederkaufrate und Kosten je Mitglied.

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