Kundengewinnung

Angebote nachfassen: Strategien für mehr Abschlüsse im B2B-Vertrieb

Angebote nachfassen im B2B: Nachfassprozess in fünf Stufen, Zeitintervalle, E-Mail-Vorlagen, Telefonleitfaden und CRM-Einsatz in Salesforce und HubSpot.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nachfassen ist ein terminierter Prozess mit fünf Stufen, nicht eine Folge spontaner Anrufe.
  • Der erste Kontakt erfolgt drei bis fünf Werktage nach dem Versand, der fünfte nach etwa fünf Wochen.
  • Telefon und E-Mail wechseln sich ab, damit jeder Kontakt einen neuen Inhalt und einen neuen Anlass hat.
  • Jedes offene Angebot hat einen Verantwortlichen, ein Fälligkeitsdatum und einen Eintrag im CRM.
  • Salesforce und HubSpot bilden Wiedervorlagen, Sequenzen und Pipeline-Stufen ab.

Warum Angebote im B2B liegen bleiben

Ein Angebot ist kein Abschluss, sondern eine Zwischenstufe im Kaufprozess. Zwischen Versand und Entscheidung liegen im B2B häufig mehrere Wochen. In dieser Zeit prüft der Kunde weitere Anbieter, klärt Budgets und holt Freigaben ein.

Der Einkauf prüft Preise und Konditionen, die Fachabteilung prüft die Leistung. Entscheidungen fallen deshalb selten in der Woche des Angebotsversands. Wer nach dem Versand nichts tut, überlässt den weiteren Verlauf dem Zufall.

Viele Vertriebsmitarbeiter warten auf eine Rückmeldung, die nicht kommt. Der Kunde wartet gleichzeitig auf einen Anruf, der ausbleibt. Diese Lücke füllt ein Nachfassprozess mit festen Terminen.

Hinzu kommt der Wechsel der Ansprechpartner. Ein Projektleiter geht in den Urlaub, ein Einkäufer wechselt die Stelle, ein Gremium tagt erst im Folgemonat. Ohne regelmäßigen Kontakt erfährt der Vertrieb davon nichts.

Nachfassen ist deshalb keine Belästigung, sondern eine Bringschuld. Der Kunde hat eine Leistung angefragt und ein Angebot erhalten. Ein Anruf zur Klärung gehört zum Angebot dazu.

Wer regelmäßig nachfasst, erhält außerdem Informationen, die kein Angebotstext liefert. Er erfährt, welche Alternativen geprüft werden, wer mitentscheidet und welcher Termin im Kalender des Kunden kritisch ist. Diese Informationen steuern den nächsten Kontakt.

Was schon beim Angebotsversand entschieden wird

Der Nachfassprozess beginnt nicht nach dem Versand, sondern mit dem Versand. Wer die Grundlagen falsch legt, muss später mehr telefonierten Aufwand betreiben.

Vier Angaben gehören in jedes B2B-Angebot:

  • ein Gültigkeitsdatum mit konkretem Tag,
  • ein benannter Ansprechpartner mit Durchwahl,
  • eine klare Leistungsabgrenzung,
  • ein Hinweis auf den nächsten Schritt.

Ein Gültigkeitsdatum schafft einen sachlichen Grund für die späte Nachfassstufe. Ohne Datum fehlt das Argument, wenn der Kunde die Entscheidung vertagt.

Der Hinweis auf den nächsten Schritt ersetzt die offene Frage nach der Rückmeldung. Statt "Bitte melden Sie sich" steht im Anschreiben ein Termin: "Ich rufe am Donnerstag gegen 10 Uhr an." Damit ist der erste Kontakt angekündigt und nicht überraschend.

Bei größeren Investitionen werden Optionen statt eines Einzelpreises angeboten. Zwei oder drei Varianten mit unterschiedlichem Umfang verschieben das Gespräch von Ja oder Nein auf die Frage, welche Variante passt.

Der Nachfassprozess in fünf Schritten

Jede Stufe hat ein Datum, einen Kanal und ein Ergebnis. Ohne Ergebnis wird die Stufe nicht geschlossen. Die Zuständigkeit liegt beim jeweiligen Vertriebsmitarbeiter, die Kontrolle beim Vertriebsleiter.

  1. Angebot übergeben und Eingang bestätigen lassen. Der Versand erfolgt per E-Mail, die Bestätigung wird per kurzer Antwort oder im Telefonat eingeholt.
  2. Rückmeldetermin vereinbaren. Im Gespräch oder am Telefon wird ein konkretes Datum festgelegt, an dem sich beide Seiten wieder melden.
  3. Ersten Nachfasskontakt terminieren. Der Anruf erfolgt drei bis fünf Werktage nach dem Versand, die Wiedervorlage steht im CRM.
  4. Nutzen und Hindernisse klären. Ab Tag sieben werden offene Fragen bearbeitet, Referenzen geliefert und Bedenken aufgenommen.
  5. Entscheidung einfordern. Ab Tag 28 wird eine Entscheidung verlangt, mit klarer Frist und klarer Alternative.

Nach Schritt fünf endet der Prozess mit Auftrag, Absage oder einer neuen, schriftlich vereinbarten Frist. Ein offenes Angebot ohne Folgetermin gilt als unbearbeitet.

Der Innendienst unterstützt bei Terminvereinbarung, Unterlagen und Nachweisen. Er erinnert den Vertriebsmitarbeiter an fällige Wiedervorlagen. Diese Trennung hält den Außendienst im Gespräch und die Dokumentation im Büro.

Der Vertriebsleiter prüft einmal pro Woche alle Angebote, die älter als 14 Tage sind. Er achtet auf fehlende Folgetermine und auf Angebote ohne Kontaktversuch. Abweichungen werden in dieser Runde korrigiert, nicht später.

Zeitintervalle für jeden Kontaktversuch

Die Abstände richten sich nach Angebotswert, Entscheidungsweg und Branche. Als Grundraster dienen fünf Stufen, die sich an Werktagen orientieren.

Stufe Zeitpunkt Kanal Ziel
1 Tag 0 E-Mail Eingang bestätigen, Rückmeldetermin
2 Tag 3 bis 5 Telefon Termin halten, erste Rückfragen klären
3 Tag 7 bis 10 E-Mail Zusatznutzen, Referenz, Unterlagen
4 Tag 14 bis 21 Telefon Hindernisse, Budget, Entscheider
5 Tag 28 bis 35 Telefon und E-Mail Entscheidung, Frist, Alternative

Zwischen zwei Kontakten sollten mindestens drei Werktage liegen. Tägliche Anrufe erzeugen Druck, ohne neue Informationen zu liefern. Ein Abstand von mehr als zwei Wochen lässt das Angebot aus der Wahrnehmung rutschen.

Bei kleineren Aufträgen bis etwa 5.000 Euro netto genügen drei Stufen in zwei Wochen. Bei Investitionsgütern mit mehreren Entscheidern sind fünf Stufen über sechs bis acht Wochen sinnvoll. Das Intervall wird im CRM hinterlegt, nicht im Kopf des Mitarbeiters.

Quartalsenden und Gremientermine verschieben Entscheidungen. Liegt ein solcher Termin vor, wird die fünfte Stufe danach angesetzt. So trifft der Anruf auf einen entscheidungsfähigen Ansprechpartner.

Urlaubszeiten und Feiertage werden eingeplant. Ein Anruf in der Ferienwoche des Einkaufs bringt selten ein Ergebnis, kostet aber einen Kontaktversuch. Die Wiedervorlage wandert dann um eine Woche nach hinten.

Telefon und E-Mail im Wechsel

Der Telefonanruf klärt, die E-Mail belegt. Wer nur anruft, hat keinen Nachweis. Wer nur schreibt, bekommt selten eine Antwort.

Jeder Anruf endet mit einer kurzen Zusammenfassung per E-Mail. Darin stehen das besprochene Ergebnis, offene Punkte und der nächste Termin. Die Mail ist das Gedächtnis des Prozesses.

Der Anruf gehört an den Anfang, weil er Rückfragen sofort beantwortet. Die E-Mail folgt am selben Tag und sichert das Gespräch schriftlich ab. Dieses Muster wiederholt sich auf jeder Stufe.

Betreffzeilen bleiben gleich, damit der Kunde den Vorgang sofort erkennt. Ein Beispiel: "Angebot 2024-117, Stand nach unserem Telefonat". Der Name des Ansprechpartners gehört in die Anrede, nicht in den Betreff.

Die Mail wird kurz gehalten, fünf bis acht Zeilen genügen. Lange Texte werden nicht gelesen. Wichtige Punkte stehen in den ersten zwei Zeilen.

Für Terminvorschläge eignet sich die E-Mail besser als das Telefon. Zwei konkrete Zeitfenster erhöhen die Antwortquote gegenüber offenen Fragen. Wer nur schreibt "Wann passt es Ihnen?", wartet länger.

Am Telefon gilt eine einfache Reihenfolge: Bezug auf das Angebot, Frage nach dem Stand, Aufnahme der Hindernisse, Vereinbarung des nächsten Schritts. Diese vier Schritte dauern selten länger als fünf Minuten.

Beispiel-E-Mails für jede Stufe

Die folgenden Muster sind Vorlagen, keine wörtlichen Zitate. Sie lassen sich an Angebot, Branche und Ansprechpartner anpassen.

Nachfassstufe 1, direkt nach dem Angebotsversand:

Betreff: Angebot 2024-117 für Ihre Prüfung Guten Tag Frau Meier, anbei erhalten Sie unser Angebot über 24.500 Euro netto, gültig bis zum 30. Juni. Haben Sie es erhalten? Ich melde mich am Donnerstag gegen 10 Uhr, um erste Fragen zu klären. Mit freundlichen Grüßen

Nachfassstufe 3, nach einem Telefonat:

Betreff: Angebot 2024-117, Zusammenfassung und nächster Schritt Guten Tag Frau Meier, wie besprochen prüfen Sie die Lieferzeiten mit Ihrer Produktion. Ich sende Ihnen zusätzlich die Referenz aus Ihrem Maschinenumfeld. Wir sprechen am Dienstag um 14 Uhr über das Ergebnis. Passt der Termin?

Nachfassstufe 5, Entscheidungsklärung:

Betreff: Angebot 2024-117, Entscheidung bis Freitag Guten Tag Frau Meier, unser Angebot läuft am 30. Juni ab. Für die Einplanung der Montage benötige ich bis Freitag eine Entscheidung. Soll ich den Auftrag vorbereiten oder das Angebot schließen? Beides ist in Ordnung, ich richte mich danach.

Jede Mail endet mit einer Frage oder einem Termin. Eine Mail ohne Frage erzeugt keine Reaktion und damit keinen nächsten Schritt. Wer drei Erinnerungen ohne neuen Inhalt sendet, verliert die Aufmerksamkeit des Kunden.

Einwände im Nachfassen behandeln

Einwände sind im Nachfassen normal und liefern Informationen. Vier Muster treten häufig auf: fehlendes Budget, fehlender Bedarf, vertagte Entscheidung und ein günstigerer Wettbewerber.

"Kein Budget" bedeutet meist "keine Priorität". Die Nachfrage lautet dann, welches Projekt aktuell vorgezogen wird und wann das Budget neu verteilt wird. Daraus entsteht ein neuer Termin.

Bei "kein Bedarf" wird geprüft, ob der Bedarf anders beschrieben ist. Häufig sucht der Kunde eine andere Lösung als die angebotene. Ein klärendes Gespräch mit der Fachabteilung bringt mehr als ein neues Angebot.

Bei einer vertagten Entscheidung wird der Grund schriftlich festgehalten. Wer den Grund kennt, kann zur nächsten Stufe passende Unterlagen nachliefern. Ohne Grund wiederholt sich die Vertagung.

Beim Preiseinwand wird nicht sofort ein Rabatt angeboten. Zuerst werden Leistungsumfang und Folgekosten verglichen. Ein Rabatt im ersten Nachfassgespräch senkt den Preis und die Glaubwürdigkeit der Kalkulation.

CRM-Einsatz: Salesforce und HubSpot

Ein CRM hält Stufen, Termine und Zuständigkeiten fest. Ohne diese Daten hängt der Nachfassprozess an einzelnen Personen und bricht bei Urlaub oder Krankheit ab.

Salesforce bildet den Prozess über Opportunities, Aufgaben und Stages ab. Wiedervorlagen hängen als Aufgabe mit Fälligkeitsdatum am Opportunity-Datensatz. Die Preisübersicht der Salesforce Sales Cloud staffelt die Tarife nach Funktionsumfang und Nutzerzahl.

HubSpot arbeitet mit Deals, Aufgaben und Sequenzen. Sequenzen automatisieren die Schritte eins bis drei, persönliche Telefonate bleiben manuell. Die offizielle Preisliste für HubSpot Sales zeigt, welche Funktionen in welchem Tarif enthalten sind.

Für die reine Kundenakte genügt häufig ein Basispaket. Die Preisliste des HubSpot CRM trennt die kostenlose Grundversion von den bezahlten Tarifen. Die Wahl hängt davon ab, ob nur Kontaktdaten oder auch Sequenzen und Berichte gebraucht werden.

Wer mehrere Vertriebsmitarbeiter steuert, braucht Auswertungen über offene Angebote. Berichte zeigen das Alter jedes Angebots und die Zahl der Kontaktversuche. Diese Kennzahlen sind die Grundlage der wöchentlichen Pipeline-Runde.

Der DIHK führt auf seinen Themenfeldern Hinweise zur Unternehmensentwicklung im Mittelstand, darunter Fragen der Digitalisierung von Vertriebsprozessen. Vor der Einführung eines CRM lohnt der Blick in das Themenfeld Unternehmensentwicklung, besonders für Betriebe ohne eigene IT-Abteilung.

Steuerung mit Kennzahlen

Vier Kennzahlen genügen für den laufenden Betrieb. Erstens die Zahl der Kontaktversuche je Angebot. Zweitens das Alter offener Angebote in Tagen. Drittens der Anteil der Angebote mit vereinbartem Folgetermin. Viertens die Abschlussquote je Nachfassstufe.

Diese Werte werden monatlich besprochen, nicht täglich. Tägliche Kontrolle erzeugt Aufwand ohne Erkenntnisgewinn. Monatliche Werte zeigen Trends, etwa ob die vierte Stufe zu spät greift.

Eskaliert wird nach Stufe vier. Bleibt eine Rückmeldung aus, informiert der Vertriebsmitarbeiter seinen Leiter. Gemeinsam wird entschieden, ob ein Zweittermin, ein Alternativangebot oder eine Absage folgt.

Eine Absage ist ein Ergebnis. Sie schließt den Vorgang, beendet die Nachfassschleife und schafft Kapazität für neue Angebote. Viele Vertriebsmitarbeiter vermeiden die Absage und blockieren damit ihre eigene Pipeline.

Rechenbeispiel: Was systematisches Nachfassen bringt

Die folgende Rechnung ist ein Beispiel mit angenommenen Werten, keine Messung aus einem konkreten Unternehmen.

Angenommen werden 40 Angebote pro Quartal mit einem durchschnittlichen Wert von 18.000 Euro netto. Ohne Nachfassprozess werden daraus im Beispiel 6 Aufträge, also 108.000 Euro netto.

Mit fünf terminierte Stufen steigt die Zahl der Aufträge im Beispiel auf 9, weil mehr Angebote überhaupt eine Entscheidung erhalten. Das ergibt 162.000 Euro netto und eine Differenz von 54.000 Euro netto.

Dem stehen etwa 10 zusätzliche Arbeitsstunden pro Quartal gegenüber, verteilt auf 40 Angebote. Bei einem internen Stundensatz von 60 Euro sind das 600 Euro. Die Rechnung zeigt die Größenordnung, nicht ein garantiertes Ergebnis.

Häufige Fehler beim Nachfassen

  • Nach dem Versand wird kein Termin vereinbart, sondern nur eine Rückmeldung erbeten.
  • Es wird ausschließlich per E-Mail erinnert, ohne Anruf.
  • Der Kontakt besteht nur aus der Frage "Wie sieht es aus?".
  • Ergebnisse werden nicht ins CRM eingetragen und gehen beim nächsten Wechsel verloren.
  • Der erste Nachfasskontakt erfolgt erst nach drei Wochen.

Jeder dieser Fehler verlängert den Verkaufszyklus. Der häufigste Grund für ein verlorenes Angebot ist nicht der Preis, sondern der ausgebliebene Kontakt.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man ein Angebot nachfassen?

Im B2B haben sich fünf Kontaktversuche über rund fünf Wochen bewährt. Entscheidend ist nicht die Zahl allein, sondern der neue Inhalt jedes Kontakts.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den ersten Nachfasskontakt?

Drei bis fünf Werktage nach dem Versand. Der Kunde hat das Angebot dann gesehen, aber noch keine langfristige Entscheidung getroffen.

Welche CRM-Tools eignen sich für das Nachfassen?

Salesforce und HubSpot bilden Aufgaben, Wiedervorlagen und Sequenzen ab. Welche Funktionen in welchem Tarif enthalten sind, steht in den jeweiligen Preislisten.

Was gehört in eine Nachfass-E-Mail?

Ein Bezug auf das Angebot, ein konkretes Ergebnis, ein nächster Termin und eine Frage. Fünf bis acht Zeilen genügen.

Wann sollte man ein Angebot schließen?

Wenn die vereinbarte Frist ohne Rückmeldung verstrichen ist und auch der fünfte Kontakt keine Klärung bringt. Eine schriftliche Absage schafft einen sauberen Abschluss und öffnet den Weg für spätere Anfragen.

In diesem Leitfaden

  1. Angebot nachfassen: Checkliste für die perfekte Follow-up-E-MailFollow-up-E-Mail nach Angebot: Checkliste mit Betreffzeilen, Textbausteinen, Pflichtangaben nach UWG und BGB sowie Tools wie CleverReach und Mailchimp.
  2. Was kostet ein Angebotsmanagement-Tool für kleine Unternehmen?Angebotsmanagement-Tool Kosten: Was Salesforce, HubSpot, Pipedrive, Zoho und Angebotssoftware pro Nutzer kosten, mit Rechnung für fünf Nutzer.
  3. Angebotsnachverfolgung: CRM oder Excel im VergleichAngebotsnachverfolgung: CRM oder Excel im Vergleich. Funktionsumfang, Preise von HubSpot und Salesforce, Einführungsaufwand und Skalierbarkeit für KMU.

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